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Dienstag, 29. Mai 2018

Der 19. Tag: 29. Mai 2018

Am Morgen kam mir kurz nach dem Start der heutigen Wanderung eine kleine Gruppe von Wanderinnen (oder Wandererinnen?) entgegen. (Später kam noch eine ganze Reihe von weiteren verschiedenen Geschlechtes dazu.) Genau genommen sind die Frauen nicht gewandert sondern gewalkt. Alle hatten je zwei Walking-Stöcke in den Händen.
Gegen diese Walkingsticks hege ich ein paar persönliche Ressentiments. Ich kann mich nicht mit der Vorstellung anfreunden, beim Wandern keine freie Hand zu haben, um mal zwischendurch den Hut zu lüften oder schnell zum Fotoapparat zu greifen.
Was mich aber am meisten stört, ist dass das Wandern durch die Hightech-Stöcke zum Mittel für einen Zweck umgewandelt wird. Man tut sich was Gutes, fördert die Gesundheit und die körperliche Beweglichkeit, kurz: Wandern wird zum Mittel der Selbstoptimierung, einer relativ jungen Entwicklung dessen, was u.a. Max Weber und Max Scheler den Geist des Kapitalismus genannt haben. Doch das ist ein anderes Thema.

Im Rahmen meiner andauernden künstlerischen Selbstbefragung kann ich festhalten, dass das Wandern in Sachen GG für mich kein Mittel zum Zweck darstellt. Ich folge einer anderen Logik, nach der das Wandern ein integraler Bestandteil meiner Performance ist. Das Wandern ist die Performance, so wie die Rezitation, die Gespräche mit Leuten, das Schreiben des Blogs. Die Performance ist sich selbst Zweck genug. Es gibt kein außerhalb der Performance liegendes Ziel.


Mittlerweile weiß ich durch ein paar Recherchen im Internet und einige Infotafeln am Wanderwegesrand, dass der Grenzweg auf dem Kamm des Rothaargebirges nicht nur die religiöse Markierung zwischen evangelischem Süden und katholischem Norden darstellt. Immerhin scheint die konfessionelle Grenzziehung so nachhaltig gewesen zu sein, dass die Autoren des entsprechenden Texts auf der Infotafel die Bemerkung für nötig erachten, in heutigen Zeiten der Ökumene habe die Grenze ihre Bedeutung verloren.
Schon in vorkonfessionellen Epochen spielte das Rothaargebirge eine Rolle als kultureller Wall. Hier stießen die Herrschaftsgebiete der Franken und der Sachsen aufeinander, mit allem an Gewalt und Not, die solche Gegenden zu ertragen hatten.
Heute geht es hier zum Glück friedlich zu. Geblieben ist nur eine traditionelle Konkurrenz zwischen den Städten Bad Berleburg im Wittgensteiner Land und Schmallenberg im Hochsauerland. Der Künstler Jochen Gerz hat sich dieses Themas in seinem Beitrag zum hiesigen, übrigens sehr ambitionierten Waldskulpturenweg angenommen.

Die erste und einzige Rezitation des Tages fand im Schatten einer anderen Skulptur "Stein-Zeit-Mensch" statt, und zwar um ca. 12h.
Die monumentale und trotzdem die umgebende Landschaft nicht störend dominierende Skulptur von Nils-Udo hatte eine starke Wirkung auf mich. Die Rezitation war nicht einfach; die Konzentration auf den Text fiel schwer im Schatten dieses Werkes.


Gerade als ich fertig war, kam ein Mann mit Rucksack und Kamera von hinten auf mich zu, las mein auf dem Boden ausgebreitetes GG - Plakat und wir kamen ins Gespräch. Das handelte allerdings mehr von der Skulptur, die ich gegen seine Kritik verteidigt habe, und vom Wandern. Ob ich den Weg nach Görlitz in einem durchgehe, wollte er wissen.
Ich habe ihm eine Karte von der GG-Wanderung in die Hand gedrückt und glaube, er schaut mal nach, was ich da mache.

Danach ging es relativ gemächlich weiter. An einer Kühude konnte ich das ausgewiesene Hirtenjungengrab nicht finden. Dabei wäre es ein schöner Aufhänger für ein paar Überlegungen zu Art. 3 Abs. 1 gewesen: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
Kuhhirten standen in ländlichen Gesellschaften wohl in der Regel ziemlich weit unten in der sozialen Hierarchie. Sie umgab auch keine mythologisch-religiöse Aura wie das in Europa bei den Schafhirten der Fall war: Vom Freiheit liebenden und lebenden Hirten der griechischen Antike bis zu Christus, dem guten Hirten, war das gehütete Tier real und metaphorisch ein Schaf und keine Kuh. Warum auch immer.
(hier ein mythologisch erhöhter Schafhirte...)



Jedenfalls formuliert Art. 3 den Anspruch, dass der Kuhhirte rechtlich nicht anders behandelt wird als Schafhirte oder gar der jeweilige Herdenbesitzer. Das ist nicht selbstverständlich und die Realität bleibt oft hinter dem Anspruch zurück.

Ein beherrschendes Thema der Wanderung heute war die Grenze. Immer wieder gab es Hinweise darauf, dass hier zwei Kulturen aufeinander trafen, die Sachsen im Süden und die Franken im Norden. Bis in die Gegenwart ist diese Grenze sprachlich erkennbar. Im Hochsauerland werden niederdeutsche Dialekte gesprochen, im Wittgensteiner Land dagegen die  anders klingenden mitteldeutschen.
Ich frage mich, wie Grundgesetz oder Grundrecht in den verschiedenen Dialekten gelautet wird.
(Ganz nebenbei: Der Philosoph Ludwig Wittgenstein stammt nicht aus dem Wittgensteiner Land...)



In Langewiese, einem der Höhenorte rund um den Kahlen Asten habe ich mich auf die Suche nach einer Unterkunft gemacht und festgestellt, dass es in Neuastenberg eine Jugendherberge gibt, in der ich letztlich gelandet bin. Vor dem Gewitter.

Fundstücke:

Der gelüftete Hut als Landeplatz:





keine Skulptur (a) ?



1 Kommentar:

  1. Der Mann mit Rucksack und Kamera findet diese Wanderung in Etappen sehr anregend und interessant.

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