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Dienstag, 4. September 2018

Der 42. Tag: 3. September 2018

Um es vorweg zu sagen: Heute war mein guter Mut zeitweise auf einen neuen GG-Wander-Tiefpunkt gesunken. Das GG hatte damit nichts zu tun. Das Problem war einmal mehr, eine Unterkunft zu finden.
Begonnen habe ich den Tag mit der Absicht, es etwas gemächlicher anzugehen. Beim Frühstück nahm ich mir die Zeit, Zeitung zu lesen. Das ist in dieser Gegend die Freie Presse. Beherrschendes Thema waren die Demonstrationen, die am Wochenende in Chemnitz stattfanden.
Auf Seite drei titelte die Zeitung:
Das Grundgesetz auf der Straße.
Die konkrete Anregung für die Überschrift kam durch eine Aktion der sogenannten Gegendemonstranten (die ja viel mehr für etwas demonstrieren als die anderen) zustande, die auf dem geplanten Demonstrationszug der Rechten eine "Barriere" aus Grundgesetzausgaben in Buchform aufgebaut hatten (Die Bücher gibt es übrigens bei der Bundeszentrale für politische Bildung kostenlos, ebenso wie eine ganz interessante Grundgesetz-App!).

"Auf der Straße" in Chemnitz spielt das GG im Moment noch in anderer Hinsicht mit. Die staatlichen Behörden waren vor die Aufgabe gestellt, die "Freiheit, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern....." (Art 5 GG) und die Versammlungsfreiheit aus Art.8 zu sichern.
Doch es gibt noch einen Artikel der Grundrechte, der hier relevant ist, nämlich Art. 18: "Wer die Freiheit der Meinungsäußerung (...) zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung missbraucht, verwirkt diese Grundrechte!"

Nach dem Frühstück bin ich von Zwota zurück nach Klingenthal gegangen und habe mir in der Touristinfostelle eine Wanderkarte für den Weg nach Johanngeorgenstadt gekauft. Außerdem habe ich versucht herauszufinden, wo auf dem Weg ich nach einer nicht allzu langen Wanderung übernachten könnte. Die nette Dame im Büro hat mir gemeinsam mit einem älteren Herrn aus Klingenthal, der zufällig da war, empfohlen nach Carlsfeld zu gehen.
Danach habe ich beim Bäcker Reiseproviant gekauft und als ich Brötchen und Geld gerade im Rucksack verstauen wollte, kam der Mann aus der Tourist-Information herein und bot mir an, mich im Auto bis zum Einstieg in den Wanderweg mitzunehmen. Ich habe natürlich angenommen und im Auto erzählt, was ich mache, aber auf die GG-Wanderung gab es von seiner Seite keine direkte Reaktion. Er meinte nur, ich sei ja sehr mutig, alleine durch die Gegend zu wandern. Ich habe ihn gefragt, ob Klingenthal nach der Grenzöffnung nicht belebter geworden sei. Vorher hatte er sich geärgert, dass ich am Abend kein Hotel finden konnte und darauf hingewiesen, dass sehr viele Sachen im Ort, u.a. das Kino, mittlerweile geschlossen sind. Seine Antwort war deutlich. Er meinte, es würden jetzt mehr Leute aus Tschechien bei ihnen arbeiten, aber eigentlich gäbe es eh zu wenig Arbeit. "Der Instrumentenbau ist ja kaputt gemacht worden." Ehedem arbeiteten offenbar 3000 Leute allein in Klingenthal in dem Bereich; heute sind es noch 70. Meine Einschätzung von gestern, dass die Situation für den Instrumentenbau nach der Wende wieder besser geworden ist, muss ich wohl zurück nehmen. Die Sache ist komplizierter.
Danach sagte er noch, dass zu seiner Zeit alle Kinder in Klingenthal ein Instrument lernen mussten, als Grundlage für einen späteren Einstieg in den Instrumentenbau.
Er nahm mich dann noch ein Stück den Berg hoch mit, wofür ich erst nach dem dann folgenden Aufstieg auf den Aschberg so richtig dankbar war.

Auf dem Aschberg habe ich aus reiner Gewohnheit eine Rezitation (1x) gemacht, die um 12.30 Uhr stattfand.



Mit der Gewohnheit meine ich, die Grundrechte des GG auf den je höchsten Erhebungen meiner Wanderung zu rezitieren. Der Aschberg kommt auf gut 900 Meter.


Danach ging es auf der Höhe weiter nach Carlsfeld. Es war eine dieser Wanderungen, bei der man sich fragt, ob die Kilometerangaben geschönt worden sind oder in diesen Regionen Kilometer eine andere, längere Maßeinheit bedeutet.


Carlsfeld ist der Ort, an dem das Bandonion seinen Zug durch die Welt begonnen hat. Hier wurde Mitte des 19. Jahrhunderts eine Werkstatt gebaut, aus der in den nächsten fast hundert Jahren Bandonions in alle Welt verkauft wurden. Das Bandonion war (und ist) nicht nur im Tango in Argentinien beliebt, sondern auch in Deutschland gab es 1927 ca. 1000 Bandonion-Vereine mit 14000 Mitgliedern.







In Carlsfeld stellte sich heraus, dass der Gasthof Ruhetag hat und auch keine reinen Übernachtungsgäste annimmt. Die Frau am Telefon meinte, ich solle es in Weitersglashütte versuchen, dort gäbe es zwei Hotels. Um es kurz zu machen: Ich habe am Ende fünf Gasthöfe in drei Ortschaften abgeklappert, bevor ich in Wildenthal eine Unterkunft gefunden habe.

Zum ersten Mal bei der GG-Wanderung habe ich die Nacht in einem Gasthof ohne Internet verbracht und konnte abends entsprechend meinen Blog nicht schreiben. Der Wirt meinte, die Leitung bei ihnen und in der ganzen Region sei so schwach, dass ein Gastzugang nicht funktionieren würde. Ich frage mich, ob hier nicht Art. 5 GG tangiert wird. Dort ist das Recht verbrieft, seine Meinung nicht nur äußern, sondern auch verbreiten zu können. Außerdem steht da, dass man sich "aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert unterrichten" darf. Dieses Recht ist in digitalen Zeiten zumindest eingeschränkt, wenn man keinen praktikablen Internetanschluss besitzt.
Der Chef des Hauses nimmt es übrigens gelassen und schlägt vor, die Smartphones und Tablets einfach auszuschalten und durchzuatmen.

Fundstücke:

Gipfelstürmer:





Fensterdeko:
           Der langsame Hase (?):


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