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Samstag, 4. August 2018

Der 27. Tag: 4. August 2018

Um kurz nach Acht bin ich von der Burg Spangenberg los gegangen. Ich habe noch überlegt, ob ich den direkten Weg nach Waldkappel nehmen soll, der entscheidend kürzer ist als die Route des WDE. Aber ich bin dann doch die längere Strecke über Reichenbach gelaufen, weil ich die alte Klosterkirche sehen wollte. Richtige Entscheidung!
Die Luft war beim Start meiner Wanderung noch einigermaßen frisch und der Tag wurde zwar wieder heiß und schwül, aber es gab oft eine angenehme Schleierbewölkung, durch die die Sonne nicht ganz ungefiltert auf die Erde - und auf mich - nieder brannte.
Die Klosterkirche in Reichenbach stammt aus dem 9. Jahrhundert; schon im 8. Jahrhundert soll es einen Vorgängerbau aus Holz gegeben haben. Zunächst gehörte die Kirche zu einem Frauenkloster, das aber nach einigen Jahrzehnten aufgegeben wurde, weil das Leben dort zu hart und gefährlich war.
Anscheinend wurde die Kirche danach einige Zeit nicht genutzt, bevor sie um das Jahr 1207 an den Deutschen Orden als Schenkung übergeben wurde. Damit war Reichenbach die erste Niederlassung des Deutschen Ordens auf deutschem Boden.
Dieser Orden wurde im Zuge des dritten Kreuzzuges Ende des 12. Jahrhunderts gegründet, mit der Aufgabe, sich um die deutschsprachigen Kreuzfahrer im Heiligen Land zu kümmern. Schnell wurde daraus eine militärisch und politisch wichtige Macht in Europa, besonders im Osten, wo der Orden im heutigen Litauen sogar einen eigenen Staat mit Staatsterritorium beherrschte.
Die Verbindung dieser Geschichte zum GG ist eher indirekt. Zwar garantieren die Grundrechte des GG die Religions- und Glaubensfreiheit des Einzelnen, doch zu den Geltungsbedingungen des GG gehört es, dass sich Religionen und Kirchen aus der politischen Verfassung des Staates heraushalten. Der Wahrheitsanspruch, den gerade die monotheistischen Religionen meist vor sich hertragen, steht im Widerspruch zum Grundrecht der Glaubensfreiheit, das übrigens auch das Recht impliziert, an nichts zu glauben. Zu den Grundbedingungen für die Entstehung des GG und ähnlicher Verfassungen gehörte es, dass Institutionen wie der Deutsche Orden ihre politische Macht verlieren.
Das alles schien mir Grund genug, an der Kirche eine Rezitation (1x) zu machen, die um 12.20 Uhr stattfand. Den Platz fürs Rezitieren habe ich weniger nach architektonischen Kriterien gesucht als vielmehr an der Frage orientiert: Wo gibt es Schatten?

Vor der Rezitation bin ich in die Kirche hinein und traf dort auf einen Mann, der sich als Mitglied der dortigen Pfarrgemeinde um die Kirche kümmert und darum, dass die Pilger, die auf dem Jakobs- und Elisabethweg dort vorbeikommen, auch einen Schluck Wasser finden, um sich zu erfrischen. Das ist eine sehr wichtige und dankenswerte Aufgabe, besonders in diesem Sommer und besonders in einem Ort wie Reichenbach, wo es weder eine Gaststätte noch eine Einkaufsmöglichkeit gibt, wenn man von einer Meitzgerei absieht, in der ich mir übrigens später ein Stück Fleischwurst als Lunchpaket besorgt habe.
Der Mann hat mir angeboten, meine beiden Wasserflaschen bei ihm zu Hause aufzufüllen. Dabei sind wir über den Deutschen Orden ins Gespräch gekommen und ich habe ihm erzählt, was ich hier mache. Ähnlich wie die junge Frau gestern fand er spontan, dass diese Wanderung jedenfalls "mal was anderes" sei. Auf die Idee, mir bei der Rezitation zuzuhören, ist auch er nicht gekommen. Meine Vermutung für das aufblitzende echte Interesse, aus dem aber erstmal nichts folgt, geht dahin, dass die GG-Wanderung für viele Menschen zu ungewöhnlich ist, um der ersten Reaktion direkt eine zweite situationsadäquate folgen zu lassen. Auf den Punkt werde ich in den nächsten Tagen noch öfter eingehen.

Von Reichenbach bin ich gemächlich und im Permaschwitzmodus über einen Höhenzug, auf dem offenbar ein Sturm die Bäume ziemlich zerzaust hat, nach Waldkappel gewandert. Dort gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit und ich mussteirgendwie  noch fünf Kilometer weiter nach Burghofen, ein Ort, der nicht auf dem WDE liegt. Deshalb habe ich im Hotel angerufen und darum gebeten, abgeholt zu werden. Laufen war bei der Hitze nicht mehr drin. as Hotel hatte niemanden, den sie zu mir schicken konnten, also habe ich einen Taxidienst angerufen. Die Abholung dauerte eine Weile, die ich in der ortsansässigen Eisdiele verbracht habe. Dann kam ein Auto mit der Aufschrift "Krankentransport" vorgefahren (so schlimm war es eigentich noch gar nicht....). Der ältere Chauffeur war ganz nett aber nachdem er mich gefragt hatte, wohin ich unterwegs bin, ist es mir nicht gelungen, ihm eine Antwort zu geben. Schon der erste Satz wurde von ihm unterbrochen, weil ihm etwas einfiel, das er mir sagen wollte. Danach kam er auf die erste Frage nicht mehr zurück und wunderte sich nur, dass ich gerne alleine durch die Gegend wandere.
So ähnlich ist es mir dann im Hotel mit einer ebenfalls sehr netten Angestellten gegangen, die allerdings auch viel mit einer großen Feier im Haus zu tun hatte.
Es gibt immer wieder neue Variationen der Hindernisse, meine GG-Wanderung zu "kommunizieren" wie es neudeutsch so unschön heißt.

Fundstücke

                           unerwartete Begegnung

Milch und Schindeln


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