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Donnerstag, 9. August 2018

Der 32. Tag: 9. August 2018

Nach einem etwas unangenehmen Frühstück in dem Café in Ruhla, wo ich die Nacht verbracht habe (ich komme später darauf zurück), bin ich auf einem anderen Weg als gestern hoch auf den Rennsteig gelaufen...na ja, gekrochen wäre der passende Ausdruck.
 Dabei kam ich an einer alten, originalen Bauhaus-Siedlung vorbei, die die Jahrzehnte überstanden hat, ohne formal gealtert zu sein. Das Drumherum sah allerdings nicht so aus, als ob sich die Bewohner sehr um ihre Wohnstatt kümmern würden. Gute Architektur alleine macht es noch nicht....

Nach knapp zwei Stunden Wanderns bin ich zur Schillerbuche gelangt. Da konnte ich natürlich nicht acht- und rezitationslos dran vorbeigehen.
Schiller hat für die Grundrechte des GG starke Vorarbeiten geleistet: Alle Menschen werden Brüder/Geschwister - zumindest wenn sie sich einst entschließen, die ästhetische Erziehung des Menschengeschlechts zu durchlaufen.
Die ursprüngliche Schillerbuche bekam 1905 ihren Namen. Zu der Zeit stand sie schon ungefähr 150 Jahre an der Stelle. Schiller und Buche haben also mehr oder weniger zeitgleich das Licht der Welt erblickt.

Von dieser Buche ist heute nicht mehr viel übrig, darum wurde im Jahr 2006 daneben eine neue Buche gepflanzt, die gesund und kräftig aussieht.

Sollte sich hier eine Schiller- Renaissance ankündigen?
Mit dem Rücken zur alten und dem Blick zur neuen Buche habe ich um 10.10 Uhr die erste Rezitation (1x) des Tages gemacht.













Nicht ganz unpassend hat just in dem Moment, als ich loslegte, auf der anderen Straßenseite ein Lastwagen, der Lebensmittel für einen Imbiss ablieferte, seinen Kühlungsmotor gestartet und bis nach dem Ende der Rezitation laufen lassen. Schiller und das GG müssen sich gegen den Alltagslärm behaupten; nicht selten gehen sie darin unter.


Nach der Rezitation bin ich unverdrossen weiter gewandert. Ich hatte darauf gehofft, an einem nicht mehr fernen Gasthaus am Rennsteig-Wegesrand einen Kaffee und Wasser für meine Trinkflaschen zu bekommen. Das Haus war geschlossen. Kurz blitzte Hoffnung auf, dass ich wenigstens die Flaschen auffüllen könnte, als ich einen Wasserhahn entdeckte, doch nur um festzustellen, dass das Wasser abgestellt war.
Doch nach etwa drei Kilometern tat sich eine viel bessere Gelegenheit auf. Etwas ab vom Weg befand sich eine Bergquelle, die zwar den wenig vertrauenserweckenden Namen Schierlingsborn trägt, das Wasser schmeckte aber vorzüglich und hatte bislang keine negativen Auswirkungen.







Am späten Mittag bin ich auf dem Großen Inselsberg angekommen, der mit 916 Metern höchsten Erhebung meiner bisherigen GG-Wanderung. Allein aus diesem Grund habe ich dort um 13.20 Uhr die zweite Rezitation (2x) des Tages gemacht.


Die Reaktion der Leute, die an mir vorbei liefen, um zum Aussichtsturm zu gelangen, blieb im Rahmen des üblichen. Ein paar Menschen warfen einen Blick auf das Infoplakat und gingen dann weiter, die anderen ließen mich sozusagen links liegen und nur eine ältere Dame warf mir einen ziemlich bösen Blick zu.

Nach einer Stärkung auf der Terrasse des Berggasthofs habe ich telefonisch erfolglos versucht, ein Zimmer in der Unterkunft zu ergattern, die ich mir am Morgen ausgesucht hatte. Stattdessen bin ich am Fuße des Inselbergs untergekommen. Immerhin konnte ich vermeiden, wie gestern lange zimmersuchend durch die Gegend laufen zu müssen. Ich/das Grundgesetz scheinen nicht so einfach Herberge zu finden auf dem Rennsteig. Der Gasthof entsprach wieder sehr meinem Geschmack, weil er etwas aus der Zeit gefallen schien. Altes Mobiliar, zu dem die beiden Besitzer wunderbar passten.

Als Rheinländer benötigt man etwas Zeit, um die Art des Umgangs, der im Thüringer Wald gepflegt wird, richtig einzuschätzen. Für unsereins liegt es nahe, den kratzbürstigen und schroffen Grundton, der hier herrscht, als Unfreundlichkeit zu verstehen. Das ist aber meistens gar nicht so gemeint. Die Unfreundlichkeit äußert sich, wenn sie auftaucht, eher in der Verweigerung einer normalen Kommunikation. Ein Beispiel, mit dem ich auf mein Frühstück von heute Morgen zurückkomme: Als ich das Café betrat, saßen da vier Leute an einem Tisch. Sonst war niemand zu sehen. Niemand grüßte und ich stand eine Weile ratlos herum, bis eine Frau vom Tisch zu mir sagte: "Sie können sich da hinten hinsetzen". Kein: "Guten Morgen!", kein "Haben Sie gut geschlafen?" oder gar "Ich bin bin die Chefin des Hauses und habe schon gehört, dass Sie gestern Abend noch bei uns untergekommen sind."
Höflichkeit ist kein explizites Thema in den Grundrechten des GG. Aber hier wird die Frage tangiert, ob man in Deutschland neben dem Grundgesetz eine "Leitkultur" formulieren sollte. Mit meinem kleinen Beispiel wird angedeutet, wie schwierig das würde. Die rheinländische "Leitkultur" sähe nämlich ganz anders aus als die thüringische, u.a. weil beide Regionen verschiedene Formen von Freundlichkeit und Unfreundlichkeit kennen und praktizieren.
Und wenn ich an meine Freunde und Bekannte denke, die aus Ländern stammen, deren Landsleute sich vermeintlich so schwer tun, sich "bei uns" zu integrieren, glaube ich, wir könnten uns von "deren" Höflichkeitskultur einiges abschneiden bzw. zu eigen machen. Natürlich gibt es auch von dort stammende weniger höfliche Menschen und das zeigt, dass die Trennlinie zwischen "leitkultivierten" Leuten und denen, die Integrationsmaßnahmen benötigen, nicht national gezogen werden kann.

Fundstücke:


...und für 1914/18 und 1939/45 muss man heute hinzufügen und froh sein, dass diese Zeiten (und diese Form von Unhöflichkeit) hoffentlich für immer vorbei sind.

....dagegen setze ich gerne diesen Anflug von ungefährlicher Nostalgie....

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