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Samstag, 11. August 2018

Der 34. Tag: 11. August 2018

Am Morgen bin ich mit der netten Frühstücksdame im Hotel in Oberhof ins Gespräch gekommen.Sie erzählte mir von den Schwierigkeiten, dort abends ein Restaurant zu finden, wo es noch was zu essen gibt. Viele Gaststätten haben entweder ganz geschlossen oder nur noch bis 18 Uhr geöffnet. (Der Gasthof, in dem ich war, hatte bis 20.00 Uhr die Küche offen.) Der Grund dafür ist der Mangel an Leuten, die in der Gastronomie arbeiten wollen. Es fehlt an Köchen, Bedienungen, Hotelkräften. Das ist offenbar nicht nur in Oberhof ein Problem, denn ich habe in fast allen Gasthöfen, an denen ich bislang auf dem Rennsteig vorbeigekommen bin, Zettel gesehen, auf denen nach Hilfskräften gesucht wurde.
Zumindest eine Teillösung liegt mehr oder weniger auf der Hand. Es gibt bestimmt genug junge Leute in der Gruppe derer, die man pauschal "Flüchtlinge" oder "Migranten" nennt, denen auch ein Job in Oberhof bei entsprechender Ausbildung und Unterstützung wie eine willkommene Chance erscheinen würde. Und manche würden sich vielleicht gar nicht so weit entfernt von ihrer Heimat fühlen. In Oberhof gibt es nämlich einen zentralen Platz, auf dessen Mitte ein großer Baum steht. Sonst ist da eigentlich nichts und mich erinnert der Ort daran, wie ich mir im südlichen Afrika die Bäume vorstelle, unter deren Schatten sich die Menschen treffen, wenn es in der Sonne zu heiß ist. Ich gebe zu, die Assoziationen könnten mit mir durchgegangen sein, wahrscheinlich wegen des ungewöhnlich heißen Wetters.
Jedenfalls habe ich direkt unter dem Baum um 9.00 Uhr meine erste Rezitation (1x) des Tages gemacht.
Die Reaktionen lassen sich leicht zusammenfassen. Alle, die den Platz während der Rezitation überquerten, haben einen großen Bogen um mich gemacht, was bei den Ausmaßen des Platzes kein Problem darstellte.

Der ganze Tag erwies sich als schwierig. Ich hatte dauernd das Gefühl zu kämpfen, mit mir und meiner inneren Situation, mit der äußeren Situation, in die ich mich ganz freiwillig bugsiert habe und mit der Gegend, durch die ich wandere.
Ich kann nicht behaupten, dass ich mich bislang auf dem Rennsteig wohlfühle. (Das ist übrigens wie alles andere eine Aussage über mich, nicht über den Rennsteig.) Ich verspüre wenig Lust, irgendwo länger zu verweilen, und die Länge der Etappen, die so gut wie alles in den Schatten stellt, was ich vorher auf der GG-Wanderung an einem Tag zurückgelegt habe, ist auch ein Indiz dafür, dass ich hier am liebsten schnell durch sein will. Aber warum? Die Gegend ist ja ganz reizvoll, doch auf mich wirkt sie seltsam leer, ohne dass ich genau wüsste, was ich damit meine. Leerheit ist davon abgesehen ja ein Zustand, der in vielen geistig-religiösen Traditionen weltweit angestrebt wird. Aber die Leerheit von der ich hier spreche, meint wohl eher den Mangel an Anknüpfungspunkten für meine Grundgesetzwanderung. Sowohl an Orten als auch an Menschen, die damit etwas anfangen könnten, herrscht nicht gerade ein Überangebot - oder ich nehme es nicht wahr....

Der innere Drang, schnell über den Renn-(!)-Steig zu wandern, hat mich nicht davon abgehalten, einen Abstecher zum Schneekopf zu machen. Das ist der höchste Berg, auf den ich in Thüringen kommen werden. (Später stellte sich heraus, dass ich noch paar Meter höher war, aber ohne es gewürdigt zu haben.) Mit 978 Metern kratzt er an der Tausendermarke.

Der Gewohnheit folgend, an den hohen Aussichtspunkten eine Rezitation zu machen, habe ich um 12.00 Uhr auf dem Gipfel des Schneekopfs (der eine tolle Ausssicht bietet) die zweite Rezitation (2x) des Tages durchgeführt.

Die damit verbundene Erfahrung gehört zu dem, was ich vorhin "kämpfen" genannt habe.

Da oben laufen relativ viele Leute herum, aber niemand hat auch nur einen Blick auf mein Infoplakat geworfen, geschweige denn mir zugehört. Für mich fühlte es sich so an, also ob es eine kollektive Absprache gäbe, mich bewusst zu ignorieren. Das hat in mir eine gewisse Kampfeslust hervorgerufen und ich habe die Rezitation ein zweites Mal gemacht.




Das Schöne am Wandern und besonders am alleine Wandern ist vielleicht, dass man viel Zeit hat, mit sich, seinen Gedanken und der inneren Situation in Kontakt zu treten (im wahrsten Sinne!). Durch das kontinuierliche Laufen durch Wald und über Feld können tiefere Schichten des eigenen Geistes aktiviert werden, die im alltäglichen Hin und Her normalerweise verdeckt bleiben. Alles, was einen gerade beschäftigt, wird plötzlich innerlich in Verbindung gebracht mit alten Erinnerungen, die das gleiche Thema betreffen und die lange vor sich hingeschlummert haben. Das ist mir heute passiert.
Die aktuelle Erfahrung von Abweisung und Ignoranz hat die Türen geöffnet zu ein paar alten Erinnerungen, die mit ganz ähnlichen Erfahrungen verbunden sind.
Das war nicht unbedingt angenehm, aber mir ist dadurch klarer geworden, aus welcher inneren Motivation heraus ich das Projekt der GG-Wanderung angegangen bin. Die Themen Sicherheit und Anerkennung spielen hier eine Rolle.
Das GG bzw. die Grundrechte fungieren in meinem inneren System als eine Art sicherer Boden, der lange selbstverständlich zu sein schien und mir den Rahmen und die Freiheit mit ermöglicht haben, die ich für mein Leben benötige. Da gab es ein Gefühl der Sicherheit oder anders gesagt, mein Sicherheitsbedürfnis wurde durch das GG wenn nicht gestillt, so doch beruhigt, ohne dass ich mich darum hätte kümmern müssen.
Doch plötzlich befinde ich mich zum ersten Mal in meiner Lebenszeit in einer Situation, in der die fundamentale Bedeutung des GG nicht mehr von allen gesellschaftlich und politisch relevanten Kräften akzeptiert und gewollt ist. Das GG wird in Frage gestellt und attackiert. Für die Generationen, die den Krieg und die unmittelbare Nachkriegszeit nicht erlebt haben, sind diese Attacken ein guter Anlass, sich bewusst mit dem GG zu beschäftigen ud es sich auf eigene Weise anzueignen. Das jedenfalls versuche ich mit der GG-Wanderung.

In Neustadt am Rennsteig habe ich ein Zimmer gefunden. (Dort gab es Gemüse - wenn auch nur in Schnitzelform - zu essen!!)

Fundstück:

Das habe ich zwar erst einige Tage später gesehen, aber es passt gerade so schön:


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