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Donnerstag, 16. August 2018

Der 38. Tag: 15. August 2018

Beim Frühstück in dem Gasthof in Pottiga bin ich mit dem einen anderen Gast ins Gespräch gekommen. Ein Radler, der sich seit seiner Rente mit langen Touren durch Europa die Zeit vertreibt. So nahe an der innerdeutschen Grenze blieb es nicht aus, dass wir über die Wiedervereinigung gesprochen haben.
Nach der Wende arbeitete er irgendwo in Ostdeutschland (wahrscheinlich als Ingenieur) und wickelte ein (Kraft ?-) Werk ab, um an gleicher Stelle ein neues aufzubauen. In dem alten arbeiteten ca. 4000 Leute, im neuen nur noch 250, das viel mehr Energie produzierte. Als mein Gesprächspartner davon sprach, blitzte in seinen Augen kurz das Triumphgefühl auf, das man nach der Wende so oft in Wessi-Augen sehen konnte. "Unser System ist schneller, effektiver, billiger! Ihr wart Jahre hinterher im Osten."
Zugleich stimmte er mir aber unumwunden zu, als ich einwarf, die Treuhand hätte den großen Fehler gemacht, die Schicksale der Menschen und die sozialen Aspekte des Umbaus überhaupt nicht in ihre Überlegungen und Entscheidungen miteinbezogen zu haben. Er meinte sogar, dass es darum ging, den westlichen Firmen Konkurrenz vom Leibe zu halten.
Ich habe ihm dann von meiner GG-Wanderung erzählt und ihm eine Karte gegeben. Sofort konnte er damit nichts anfangen, aber es gab eine gewisse Neugierde.

Heute hatte ich des öfteren größere Schwierigkeiten, den richtigen Weg zu finden. Meine Karte war zu grob und der Wanderweg, an dem ich mich orientieren wollte und den ich aus dem Wanderführer zum WDE (aus den 90ern!) kannte, existiert in dieser Form nicht mehr.

Nach einigen Umwegen kam ich am späten Vormittag in Joditz an, einem kleinen Dorf, in dem der Dichter Jean Paul seine Kindheit verbracht hat. Deshalb findet man dort ein Museum, das ihm und seinem Werk gewidmet ist. Das war zwar geschlossen, aber der Vorplatz des Gebäudes machte einen sehr angenehmen und anregenden Eindruck. Auf einer Litfaßsäule mit Informationen zu verschiedenen Aspekten seines Lebens, prangt ganz oben der Satz:

"Die Bücher sind die stehende Armee der Freiheit."



Obwohl ich dem Spruch nicht ohne Einschränkung zustimmen würde und die militärische Metapher auch nicht meine Wahl gewesen wäre, hat mir der Satz den entscheidenden Schub gegeben, um auf dem Platz eine Rezitation der Grundrechte zu machen.

Die Rezitation (1x) fand um 11.40 Uhr statt.

Ungefähr nach der Hälfte kam eine Frau aus dem Gebäude, um einen Brief in den Briefkasten zu stecken. Sie schaute leicht irritiert und durchaus neugierig zu mir rüber und ich habe die Rezitation unterbrochen, bin zu ihr hin, habe ihr eine Karte in die Hand gedrückt und gesagt, was ich da mache. Ihre Reaktion war ungewöhnlich wach! Sie sagte nämlich, dass sie mit dem, was ich da gerade erzählt hätte, erstmal überfordert sei und brachte damit auf den Punkt, was fast alle meine Gesprächspartner zu Beginn zu fühlen scheinen. Ihr war das aber auch noch bewusst, sie konnte es ausdrücken und wahrscheinlich deshalb offen bleiben und ankündigen, ihren Enkel zu bitten, ihr den Blog im Internet zu öffnen.
Und dann sagte sie noch, dass mir diese Aktion doch bestimmt viel Freude mache, ich hätte doch ein Ziel und ginge es an. Wahrscheinlich hat sie mit dieser Einstellung das Jean Paul Museum mit auf den Weg gebracht.
Eine gute und ermutigende Begegnung.

Danach ging es ohne besondere Vorkommnisse auf dem Jean-Paul-Weg, der nicht durchgehend dem WDE entspricht, weiter.
Nach etwas mühsamen Kilometern durch Hof zum Bahnhof bin ich direkt in den nächsten Zug gestiegen, um noch am Abend wieder in Köln zu sein.
Wahrscheinlich im September werde ich in Hof mit dem nächsten Abschnitt der GG-Wanderung beginnen.

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