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Freitag, 31. August 2018

Der 39. Tag: 31. August 2018

Heute bin ich ohne Verspätungen oder Umwege mit dem Zug von Köln nach Hof gereist, von wo aus ich morgen weiter wandern werde.
Im Zug nach Nürnberg saß für einige Zeit eine Frau neben mir, die aus Kanada stammt und schon seit über 25 Jahren in Deutschland lebt. Sie war von der GG-Wanderung ganz beeindruckt und unser Gespräch landete bald bei der Frage, welche Rolle Gesetze und Regeln im Alltagsleben spielen. Ich habe davon gesprochen, dass mir mit der Zeit immer deutlicher wird, wie sehr die Grundrechte des GG mit meinem Alltag verflochten sind. Da stimmte sie mir zu und brachte zugleich einen neuen Aspekt ins Gespräch. Sie erzählte zuerst ein paar Begebenheiten hauptsächlich aus dem Schulleben ihrer Tochter, die sie sehr zurecht ärgerten. Die Erzählungen offenbarten einen sehr unangenehmen Umgang mit Regeln sowohl bei Lehrern als auch bei Eltern der Schule, die die Regeln nämlich viel wichtiger nehmen als die Kinder. Für mich waren das außerdem Beispiele für die Empörungskultur, in der wir gerade leben und die eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Demokratie darstellt. Jeder "Fehler" wird erst moralisiert und dann mit Empörung verurteilt und bestraft.
Für meine Gesprächspartnerin lag im Umgang mit Gesetzen und Regeln der entscheidende Unterschied zwischen dem Leben in Deutschland und in Kanada. Dort sind Regeln offenbar in erster Linie dazu da, das Leben zu erleichtern und nicht es zu reglementieren. Regeln scheinen in Kanada selten Selbstzweck zu sein, anders als in Deutschland - jedenfalls in der Wahrnehmung der Frau, die beide Länder gut kennt.
Für meine Auseinandersetzung mit dem GG ist daran ein Aspekt besonders erhellend: Die Idee, dem Text der Grundrechte eine fundamentale Bedeutung zu geben, ist - zumindest auch - sehr deutsch. Einem Gesetzestext diese weit über das Pragmatische hinaus gehende Relevanz zuzuordnen, wäre einem kanadischen Künstler wahrscheinlich nicht eingefallen.
Die in Deutschland so oft anzutreffende Eigenart, Regeln und Gesetze zu ernst zu nehmen, ist auch mir nicht fremd. Und trotz des notwendigen inneren Appells, ruhig locker und entspannt zu bleiben, wäre es interessant zu beobachten was passieren würde, wenn die deutsche Gesellschaft begönne, die Grundrechte zu ernst zu nehmen. Das würde sicher einiges verändern.




In Hof bin ich vom Bahnhof direkt zur Freiheitshalle gegangen. Der Name lädt ja eine Rezitation geradezu ein. Doch der moderne Konzertsaal ist nicht wirklich an das innerstädtische Leben in Hof angeschlossen. Der Ort war mir dann doch zu abgelegen und ich habe mich erst mal auf die Suche nach einem Hotel gemacht. (Die Jugendherberge war ausgebucht.) Danach bin ich wieder los und habe einen geeigneten Ort für die Rezitation gesucht. Eine Buchhändlerin, der ich eine GG- Karte in die Hand gedrückt habe, empfahl mir, mich auf dem Platz vor der Marienkirche (und dem kleinen Buchladen) zu stellen. Nach einer Stärkung im Café und einem Spaziergang durch die Altstadt habe ich mich in der Nähe einer Gedenkplakette an der Kirche gestellt, die an den katholischen Geistlichen Bernhard Lichtenberg erinnert, der von den Nazis ermordet wurde. Bei seinem Widerstand hat er sich auf sein Gewissen berufen. Art. 4 GG: " Die Freiheit des Glaubens und des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich."

Dort habe ich um ca 18.00 Uhr die heutige Rezitation (3x) gemacht.
Zuerst spielten sich die Reaktionen im üblichen Rahmen von Ignoranz und Distanzierung ab. Zwei Menschen sind über das Infoplakat auf dem Boden gelaufen. Während der zweiten Rezitation kam ein Vater mit seinen zwei Söhnen in meine Nähe und sie hörten mir aufmerksam zu, nachdem sie die Infos gelesen hatten. Deshalb habe ich noch eine dritte Rezitation angeschlossen, während der die Familie, jetzt auch mit Mutter, sehr freundlich grüßend von dannen zogen.
Zwischendurch hatten sie kurz mit einem anderen Mann gesprochen, der in einem Wohnhaus gegenüber ein paar Mal ein und aus ging. Nach der Rezitation kam er auf mich zu und stellte sich als der Pfarrer der Marienkirche vor. Ebenfalls sehr freundlich hat er sich von meiner Wanderung beeindruckt gezeigt und mir gewünscht, dass mir auf dem Weg nur Gutes passiert.

1 Kommentar:

  1. Das liest sich wie ein sehr guter Auftakt. Die guten Wünsche nicht nur von mir begleiten dich!

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