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Sonntag, 12. August 2018

Der 35. Tag: 12. August 2018

Beim Frühstück in Neustadt am Rennsteig liefen im unvermeidlichen Radio die Puhdys: "Wenn ein Mensch...."  ein Anflug von Ostalgie.
Heute Morgen fühlte ich mich etwas ambitionierter als in den vergangenen Tagen und schon nach ein paar Kilometern Wanderung habe ich mich entschieden, wieder einen Abstecher zu machen, der mich in Richtung des Dorfes Gießübel führen sollte.


Auf dem Weg lag eine Gedenkstätte für die Gefallenen der Weltkriege und ich dachte, das könnte trotz all meiner Zurückhaltung mit historischem Gedenken ein Ort für eine Rezitation sein. Doch die Gedenkstätte war denkbar ungeeignet. Kein Hinweis auf Hoffnung, Wunsch oder Erwartung einer friedlichen Zukunft. Nur in Stein gehauene "Helden"-Verehrung. Dort habe ich keine Rezitation gemacht.



Beim Aufstieg zurück aus dem Tal bin ich durch die Gießübeler Schweiz gewandert. Das ist natürlich keine polititische Bezeichnung, doch ich dachte, hier zeigt sich eine gute Gelegenheit mit einer Rezitation einen Gruß an meine Freunde und UnterstützerInnen der GG-Wanderung aus der echten Schweiz zu schicken.
Zwischen der Schweizer Verfassung und dem deutschen Grundgesetz gibt es ein paar sehr interessante Unterschiede. Die aktuelle schweizer Verfassung stammt aus dem Jahr 1999 und wird anders als das deutsche Pendant in relativ kurzen zeitlichen Abständen immer mal wieder revidiert. Dahinter steht ein Verständnis der Verfassung, das auf einem ganz anderen Verhältnis zwischen Demokratie und Verfassung gründet, als es in Deutschland der Fall ist. In der Schweiz haben die demokratischen Elemente ein höheres Gewicht und können auch in verfassungsrechtlichen Fragen relativ einfach Veränderungen hervorrufen. Wahlen und insbesondere Abstimmungen über die verschiedensten Belange der Bürger bilden den Kern des schweizerischen Staats- und Demokratieverständnisses. Und dieses Verständnis gründet auf einer sehr langen demokratischen Tradition, die zu einem Garanten der staatlichen Stabilität geworden ist.
Anders in Deutschland. Hier wird die Stabilität viel mehr über das Grundgesetz und über das Verfassungsgericht gesichert als über demokratische Verfahren. Man könnte sagen, die Mischung aus Demokratie und Republik ist eine andere. Und auch hier gibt es dafür gute historische Gründe.
Was passiert, wenn ein Land keine starke demokratische Tradition besitzt und trotzdem Wahlen und Abstimmungen auf Kosten der Gewaltenteilung und Verfassungsgericht ins Zentrum stellt, kann man in einigen osteuropäischen Ländern gerade beobachten. Die Rechte des einzelnen (die in Deutschland in den Grundrechten des GG garantiert sind) werden dann schnell für eine Diktatur der Mehrheit eingeschränkt oder gar aufgegeben.
Glücklich ein Land wie die Schweiz, das sich auf seine demokratischen Strukturen so verlassen kann.


Die erste Rezitation (1x) des Tages fand um 12.00 Uhr oberhalb eines Nadelöhr genannten Felsens in der Gießübeler Schweiz statt. 

Während ich mich darauf vorbereitete, meine Plakate ausrollte und die Fotos machte, kam eine vierköpfige Familie an den Platz, zuerst ohne viel Notiz von dem zu nehmen, was ich da mache. Schließlich beugte sich der Sohn über das Plakat und ich habe ihm kurz erzählt, worum es geht. Als ich mit der Rezitation begann, haben sich die vier in sicheren Abstand begeben, Mann und Sohn liefen herum, Mutter und Tochter saßen am Nadelöhr und besonders die Mutter schien mir zuzuhören. Dann ging die ganze Familie an mir vorbei weiter und die noch recht junge Mutter, die als letzte kam, winkte mir lächelnd zu. Das habe ich als Ermutigung verstanden.

Kurz danach bin ich wieder auf dem Rennsteig gelandet und gewandert, ohne dass es zu erwähnenswerten Begebenheiten gekommen wäre. Erst am späteren Nachmittag bin ich an einem Platz vorbeigekommen, bei dessen Symbolik ich mich nicht zurückhalten konnte und noch eine Rezitation gemacht habe. Wieder spielte ein Stein eine Rolle, aber diesmal war es kein Dreiherrenstein und auch kein quasi-schweizer Fels, sondern der Dreistromstein (gar nicht so einfach auszusprechen), der eine dreifache Wasserscheide markiert. Das ist offenbar einzigartig in Deutschland. Auf dieser Anhöhe scheiden sich die Bäche in drei Richtungen und fließen über Umwege und andere Flüsse am Ende in die Weser, in die Elbe und - kaum zu glauben - in den Rhein.


Diesen Stein umrundend habe ich um 16.00 Uhr eine Rezitation (1x) gemacht.

Drei Frauen liefen währenddesen an mir und dem Stein vorbei und die Irritation in ihren Blicken hatte keine Auswirkung auf ihr Verhalten. Sie gingen einfach weiter.







Danach ging es weiter nach Limbach und eigentlich hätte ich dort schon eine Unterkunft finden wollen, doch die Suche dauerte sehr viel länger als mir lieb sein konnte. Abends um ca. 20.00 Uhr fand ich dann endlich ein Zimmer in Neuhaus am Rennweg (nach einem Umweg über Steinheid, wo es einen Gasthof geben sollte, der aber nicht mehr existierte) und fand ein kleines Zimmer. Es war wohl das erste Mal in meinem Leben, dass ich in einem Hotel übernachtet habe, in dem es für mich (als Gast) weder irgendetwas zu essen noch zu trinken gab. Das Hotelteam hat auswärts gefeiert, an der Rezeption stand ein sehr junger Mann, der mir das Zimmer geben konnte, statt Essen und Trinken aber nur einen Kräuterschnaps als Willkommenstrunk anzubieten hatte. Er meinte, in der Minibar gäbe es bestimmt noch was anderes zu trinken, aber das stellte sich als in jeder Hinsicht leere Versprechung heraus, denn es gab keine Minibar. Irgendwie schaffte es der junge Mann, mir ein Bier zu zapfen und ich habe mein Notfallrationskäsebrot zu mir genommen. Natürlich war die Übernachtung mit die teuerste auf dieser Wanderung....  Bezug zum GG? Keiner.

Fundstück:

(auf einer Infotafel in der Gießübeler Schweiz): is klar, oder:



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