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Mittwoch, 8. August 2018

Der 31. Tag: 8. August 2018

Es war wieder ein sehr langer und heißer Tag, der mich von Creuzburg an der Werra entlang nach Hörschel führte, wo ich auf den Rennsteig gelangt bin, auf dem ich in den kommenden Tagen durch den Thüringer Wald wandern werde. Ich hatte erwartet, dass es am Startpunkt des Rennsteigs ein großes Wanderzentrum gibt, in dem man Karten, Wanderführer usw. kaufen und vielleicht seine Wasserflasche auffüllen kann. Das sehr kleine Gebäude, wo es Infos hätte geben können, war geschlossen und mit Mühe habe ich in einem Gasthof, der auch noch geschlossen war, meine Wasservorräte auffrischen können.

Der erste Teil des Rennsteigs führt in großem Bogen um Eisenach und um die Wartburg herum. An einigen Stellen gibt es Aussichtspunkte auf die Burg und an einer davon habe ich um 11.40 Uhr die Rezitation des heutigen Tages gemacht.





Die Wartburg gehört zu den großen symbolgeladenen Orten der Reformation. Luther hat dort bekanntlich seine Bibelübersetzung verfasst (und dem Teufel eins mit dem Tintenfass aufs Auge gegeben).
Mir fallen zwei Aspekte ein, die man mit dem GG in Verbindung setzen kann.
Durch die Reformation hat die Idee der individuellen Freiheit des Menschen einen entscheidenden Schub erhalten. Zwar hat die Entwicklung bereits mit der (italienischen) Renaissance begonnen, doch erst mit Luther wurde sie sozusagen demokratisiert. Nicht nur der schöpferische Mensch gewinnt bei Luther an Bedeutung und Würde, sondern jeder Mensch hat jetzt die Chance und die Pflicht, Selbstverantwortung für das eigene Leben und Denken zu entwickeln.
Dafür war es zweitens wichtig, dass die Schrift und die Schriften im Prinzip allen zur Verfügung stehen. Luthers Bibelübersetzung auf der Wartburg war dafür der entscheidende Anstoß.
Die Bibel lesen zu können blieb nicht länger das Privileg einer kleinen Bildungselite. Jetzt konnte sich im Prinzip jede und jeder ein eigenes Bild von der Heiligen Schrift machen. Damit änderten sich Bedeutung, Wirkung und Interpretation der Bibel eklatant.

Nur durch die Entstehung des protestantischen Bibelverständnisses ist es (mir) heute möglich, sinnvoll die (bestreitbare) These in den Raum zu stellen, dass das Grundgesetz ähnlich wie ein heiliger Text funktioniert. Die Grundrechtsartikel sind für die Bürger ein feststehender unveränderlicher Text, und zugleich hat jede/jeder das Recht, sich diesen Text anzueignen und eine persönliche adäquate Lesart zu finden. Dafür bietet das GG einen gewissen Spielraum, der aber nicht beliebig groß ist. Das ist bei der Bibel ähnlich.
Anders gesagt: Die Reformation hat inhaltlich einige entscheidende Vorarbeiten für das GG geleistet und auf der formalen Ebene hat sie die Möglichkeit eröffnet, einen Text zugleich demokratisch und transzendent zu verstehen - zugleich als von allen geteilte ideelle Grundlage der Gemeinschaft, den jeder lesen kann, und als Text, der über den einzelnen steht in dem Sinne, dass er für alle Geltung beansprucht. So wurde es möglich, ein Staatswesen auf einen Text zu gründen, statt auf eine Struktur, die von Herrschenden vorgegeben wird.
Der entscheidende und bleibende Unterschied zwischen einem heiligen Text und dem GG besteht darin, dass sich die deutschen Staatsbürger das Grundgesetz selbst gegeben haben - wie es in der Präambel der GG heißt - und ein heiliger Text in der Regel von einer höheren Instanz gegeben wird. 

Ansonsten bin ich heute sehr lange durch die Hitze gewandert. Die Suche nach einer Unterkunft gestaltete sich wieder einmal schwieriger als ich dachte. Am Rennsteig gab es auf der heutigen Etappe nur einen Gasthof mit Zimmervermietung. Das Haus war aber voll belegt und ich musste am Ende noch den Abstieg in den Ort Ruhla machen, wo ich in einer Pension, die an eine Bäckerei angegliedert ist, untergekommen bin.

Fundstücke:
 


...angekommen nach langer Wanderung:



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